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Veganer Küchenzauber

Vitamin B12 und vegane Ernährung: Was man wirklich wissen muss

Vitamin B12 und vegane Ernährung: Herkunft des Vitamins, Mythen über Algen, die Empfehlung der DGE und welche Blutwerte wirklich aussagekräftig sind.

Redaktion Veganer Küchenzauber · · 3 Min. Lesezeit

Vitamin B12 und vegane Ernährung: Was man wirklich wissen muss

Über vegane Ernährung wird viel gestritten, doch in einem Punkt sind sich Fachgesellschaften und erfahrene Veganerinnen und Veganer einig: Vitamin B12 muss ergänzt werden. Das ist kein Eingeständnis, dass pflanzliche Ernährung mangelhaft sei, sondern schlicht eine Frage der Biologie. Wer die Hintergründe kennt, kann das Thema gelassen und ohne Panik angehen.

Woher B12 eigentlich kommt

Unter dem Namen Vitamin B12 fasst man eine Gruppe chemisch verwandter Verbindungen zusammen, die in der Fachsprache als Cobalamin bezeichnet werden. Im Zentrum des Moleküls sitzt ein Kobalt-Atom. Weder Pflanzen noch Tiere können B12 selbst herstellen; das gelingt ausschließlich bestimmten Bakterien und Archaeen. Tiere nehmen das Vitamin über Mikroorganismen auf, etwa im Verdauungstrakt von Wiederkäuern, und speichern es in Leber und Muskeln. Deshalb sind Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte die klassischen Quellen. In der modernen Tierhaltung wird Futter zudem häufig mit Kobalt oder Vitamin B12 angereichert.

Gewaschenes, sauberes Gemüse enthält praktisch kein B12. Die Vorstellung, man könne es über ungewaschene Wurzeln oder Erde aufnehmen, ist weder hygienisch empfehlenswert noch verlässlich.

Algen, Sauerkraut und andere Mythen

Immer wieder werden Nori, Spirulina oder Chlorella als pflanzliche B12-Quellen genannt. Das Problem: Diese Lebensmittel enthalten oft sogenannte B12-Analoga, also Verbindungen, die in Labortests als B12 erfasst werden, im menschlichen Körper aber nicht oder kaum wirksam sind. Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Tempeh oder Miso liefern keine zuverlässigen Mengen. Wer sich auf solche Quellen verlässt, geht ein unnötiges Risiko ein.

Ein oft unterschätzter Punkt: Auch Menschen, die tierische Produkte essen, können einen Mangel entwickeln, etwa im höheren Alter, wenn der Magen weniger Säure und Intrinsic-Faktor bildet, oder bei der langfristigen Einnahme bestimmter Medikamente wie Säureblocker. B12 ist also kein reines Veganthema.

Was die Fachgesellschaften sagen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für Erwachsene einen Schätzwert von 4,0 Mikrogramm Vitamin B12 pro Tag an. In ihrem 2024 aktualisierten Positionspapier zur veganen Ernährung betont sie, dass diese Ernährungsform für gesunde Erwachsene gesundheitsfördernd sein kann – unter der Voraussetzung, dass B12 dauerhaft supplementiert wird. Für Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche sowie ältere Menschen rät die DGE zu besonderer Sorgfalt und fachkundiger Beratung.

Ergänzt werden kann B12 über Tabletten, Tropfen oder Zahnpasta mit Zusatz, aber auch über angereicherte Lebensmittel wie manche Pflanzendrinks oder Hefeflocken. Wichtig zu wissen: Der Körper nimmt B12 über einen speziellen Mechanismus im Darm auf, der an ein Protein namens Intrinsic-Faktor gebunden ist und pro Mahlzeit nur begrenzte Mengen verarbeiten kann. Bei höheren Dosen kommt ein kleiner Anteil zusätzlich passiv ins Blut. Welche Dosierung und Häufigkeit im Einzelfall sinnvoll ist, bespricht man am besten mit der Hausarztpraxis.

Warum ein Mangel tückisch ist

Der Körper legt in der Leber Vorräte an, die oft mehrere Jahre reichen. Ein Mangel entwickelt sich daher schleichend und kann lange unbemerkt bleiben. Zu den möglichen Folgen gehören eine bestimmte Form der Blutarmut, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Nervenschäden, die bei langem Bestehen nicht immer vollständig zurückgehen. Eine hohe Folsäurezufuhr, wie sie bei gemüsereicher Kost üblich ist, kann die Blutarmut zudem überdecken, während die neurologischen Schäden fortschreiten.

Sinnvoll kontrollieren

Der Gesamt-B12-Wert im Blutserum allein ist nur begrenzt aussagekräftig. Genauer sind Holotranscobalamin, die aktive Transportform, sowie Methylmalonsäure, die bei einem Mangel ansteigt. Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen, die Werte etwa einmal im Jahr prüfen zu lassen. Wer regelmäßig ergänzt und die Kontrollen im Blick behält, kann sich entspannt den schöneren Fragen der veganen Küche widmen.