Pflanzenmilch im Vergleich: Hafer, Soja, Mandel und Co.
Pflanzenmilch im Vergleich: Hafer-, Soja-, Mandel-, Erbsen-, Reis- und Kokosdrink nach Eiweiß, Geschmack, Kaffeetauglichkeit und Einsatz in der Küche.

Vor zwanzig Jahren stand im Supermarktregal bestenfalls ein einsamer Sojadrink. Heute füllen pflanzliche Alternativen ganze Regalmeter: Hafer, Soja, Mandel, Erbse, Reis, Kokos, Cashew, Dinkel und Mischungen daraus. Die Auswahl ist erfreulich, aber auch unübersichtlich. Denn die Produkte unterscheiden sich nicht nur im Geschmack, sondern auch in Nährwerten, Verhalten beim Kochen und ihrer Eignung für den Kaffee.
Warum es nicht „Milch“ heißen darf
Wer genau hinsieht, merkt schnell: Auf den Verpackungen steht „Haferdrink“ oder „Sojadrink“, nicht Hafermilch. Der Europäische Gerichtshof hat 2017 entschieden, dass Bezeichnungen wie Milch, Butter oder Käse in der EU grundsätzlich Produkten tierischen Ursprungs vorbehalten sind. Ausnahmen gibt es für traditionelle Begriffe wie Kokosmilch. Im Alltag sagen trotzdem fast alle Pflanzenmilch – auch wir.
Sojadrink: der Allrounder
Sojadrink ist der Klassiker und ernährungsphysiologisch der Kuhmilch am nächsten. Mit rund drei Gramm Eiweiß pro hundert Milliliter liegt er etwa auf demselben Niveau. Geschmacklich ist er recht neutral, manche Produkte haben eine leicht bohnige Note. In der Küche überzeugt er besonders: Er eignet sich für Béchamelsauce, Pfannkuchen und Kuchenteig, und weil sein Eiweiß beim Aufschlagen stabilisiert, gelingt mit Sojadrink und Öl sogar eine vegane Mayonnaise.
Haferdrink: der Liebling für den Kaffee
Haferdrink gehört in Deutschland inzwischen zu den beliebtesten Varianten. Er schmeckt mild und von Natur aus leicht süß, weil bei der Herstellung Enzyme einen Teil der Haferstärke in Zucker aufspalten. Der Eiweißgehalt ist mit meist unter einem Gramm pro hundert Milliliter niedrig. Für Kaffee gibt es Barista-Varianten, die durch zugesetztes Öl und Säureregulatoren stabiler aufschäumen und in heißem Kaffee nicht ausflocken. Ein ökologischer Vorteil: Hafer wächst gut in Mitteleuropa und kommt oft aus der Region.
Mandel, Cashew und andere Nüsse
Mandeldrink hat ein feines, nussiges Aroma, das in Müsli und Desserts gut zur Geltung kommt. Viele Produkte enthalten allerdings nur wenige Prozent Mandeln, entsprechend gering sind Eiweiß- und Fettgehalt. Kritisch diskutiert wird der hohe Wasserbedarf des Mandelanbaus, der zu einem großen Teil in Kalifornien stattfindet. Cashewdrink ist cremiger und eignet sich gut für Saucen.
Erbse, Reis und Kokos
Erbsendrinks sind die jüngere Konkurrenz. Sie liefern ähnlich viel Eiweiß wie Soja, sind geschmacklich neutral und eine gute Wahl für Menschen, die Soja meiden möchten. Reisdrink ist sehr süß und dünnflüssig, enthält kaum Eiweiß und kann, da Reis Arsen aus dem Boden aufnimmt, geringe Mengen anorganisches Arsen enthalten; für Kleinkinder raten Fachstellen davon ab. Kokosdrink aus dem Getränkekarton ist eine verdünnte Variante der Kokosmilch aus der Dose und bringt in Currys und Porridge ein exotisches Aroma.
Für das Kochen gilt eine einfache Regel: Je mehr Eiweiß und Fett ein Drink enthält, desto besser bindet er Saucen und desto seltener flockt er aus. Süße Sorten wie Reis- oder Haferdrink passen eher zu Porridge, Milchreis und Desserts als zu Kartoffelgratin oder Rahmsauce.
Angereichert oder nicht?
Viele konventionelle Pflanzendrinks sind mit Calcium, Vitamin D und teils Vitamin B12 angereichert. Bei Bio-Produkten ist das nach EU-Ökorecht nur sehr eingeschränkt erlaubt; stattdessen wird manchmal die calciumreiche Rotalge Lithothamnium zugesetzt. Wer Pflanzendrinks als wichtige Calciumquelle nutzt, sollte also auf die Nährwerttabelle schauen. Kurios ist übrigens die Steuer: In Deutschland gilt für Pflanzendrinks der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent, für Kuhmilch dagegen der ermäßigte Satz.
Unser Fazit für die Küche
Für herzhafte Saucen und zum Backen eignet sich am besten ungesüßter Soja- oder Erbsendrink, für Kaffee der Barista-Haferdrink, für Müsli Mandel oder Hafer. Ein Universalprodukt gibt es nicht – aber für jede Aufgabe eine gute Wahl.